Wednesday 31. August 2016
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Grabner

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Atemlos!
Leitartikel Juli/August 2016
Leitartikel Juli/August 2016
Von Chefredakteur Henning Klingen
Atemlos!
Leitartikel Juli/August 2016
Leitartikel Juli/August 2016

Von Chefredakteur Henning Klingen

Die Zeit scheint aus den Fugen zu sein. Je mehr Zeit wir gewinnen, desto schneller zerrinnt sie uns zwischen den Fingern. Wir hasten und kommen immer zu spät. Selbst auf weltpolitischer Bühne rast die Zeit: politische, soziale, wirtschaftliche, militärische Krisen wechseln sich ab. Kaum ist die eine überstanden, droht schon wieder neues Ungemach. Alles wird schneller, und früher war es besser…

Solche Zeitkritik gehört zum Lieferumfang des zeitgenössischen Weltbildes und kommt heute rasch über die Lippen. Entsprechend gibt es Zeittheorien und Bremshilfen wie Sand am Meer – Entschleunigung ist angesagt. Man möchte dem täglichen Hamsterrad entkommen, durchschnaufen, langsamer machen. Gerade die Sommerzeit scheint dazu geeignet. Aber sei es der Familienurlaub am Mittelmeer, die Pilgerwanderung durch die Steiermark oder die Backpacking-Tour durch Asien: Stets bleibt Erholung an Bewegung, an Rastlosigkeit gekoppelt. Fast scheint es, als sei die Beschleunigung – wie es der Soziologe Hartmut Rosa konstatiert – die eigentliche, zentrale menschliche Triebfeder der Gegenwart.

Zum Problem wird diese Beschleunigung, wo sie den Menschen vom Boden hebt, wo das Rauschen des geschwinden Alltags jedes Gespür für die Welt, den Mitmenschen, das Wesentliche abhandenkommen lässt. Burnout! Aber machen wir uns nichts vor: Wo auch immer und wie auch immer wir "langsamer machen" – wir entkommen dem Rasen der Zeit nicht. Lebenszeit ist begrenzt – und je mehr man vom Leben, gerade auch vom Leben der Anderen weiß, umso mehr bleibt in der verrinnenden Lebenszeit zu tun. Vielleicht führt der Rettungsweg nicht weg aus dieser Welt, sondern genau in sie hinein. Das jedenfalls ist Hartmut Rosas These: Wenn ich schon nicht das Rad anhalten kann, so kann es mir doch gelingen, das Gefühl für die Welt zu bewahren. "Resonanz" nennt der Soziologe diese Kunst.

Resonanz erfährt auch der, der ein intensives Glaubensleben führt. Denn wo wird die Welt, das Leben "resonanter", also "sprechender", als im Gebet? Wo ich Gott als Antwortenden erfahre, der die Zusage gibt, dass diese irrsinnige Welt dennoch seine Welt ist, dort verzweifle ich nicht an den rasenden Zeitläuften. Im Gegenteil. Ich fühle mich vielleicht sogar bestärkt, Welt-Verantwortung in meiner zerrinnenden Zeit wahrzunehmen. Und diese wird mir derzeit wohl von keiner anderen Gruppe so vor Augen geführt wie von den Flüchtlingen. Denn auch sie sind Welt in Bewegung: rastlos, atemlos. Und sie gieren nach Resonanz – danach, dass die Welt nicht stumm bleibt, sondern ihnen antwortet.

Barmherzigkeit & Zärtlichkeit
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Ingeborg Schödl
Barmherzigkeit & Zärtlichkeit
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Ingeborg Schödl

Eine Umfrage unter Kinderärzten in Deutschland hat ergeben, dass immer mehr Kinder an "Sprachlosigkeit" leiden. Verblüffend, wo doch heute die Knirpse früher via Handy kommunizieren, als sie nach dem Topf verlangen. Aber die Ursache liegt auf einer anderen Ebene: Den Kindern fehlt zunehmend die Fähigkeit und Bereitschaft, die Gefühle anderer Personen zu erkennen und darauf einzugehen.

Dass die Erwachsenen dafür ein Beispiel geben, beobachte ich von meinem "Seitenschiff" aus schon länger. Obwohl noch nie so viel geredet wurde wie heute und die Bussi-Bussi-Gesellschaft nach dem Motto "Wir haben uns alle so lieb" agiert, reduzieren sich die zwischenmenschliche Beziehung auf Null: Wen interessiert es wirklich noch, wie es dem anderen geht? Wer will auf die Sorgen und Nöte seines Nächsten noch eingehen? Die Anonymität der neuen Medienwelt bietet zwar eine Unzahl von Kontaktmöglichkeiten, jedoch auf Distanz. Auf einem Kalenderblatt las ich: "Das größte Geschenk, das ich einem anderen Menschen geben kann, ist ihn zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Nur so entsteht Kontakt." Wer aber schenkt das heute noch?

Papst Franziskus meinte unlängst, dass wir Mut zu mehr Zärtlichkeit haben sollten, denn das würde uns helfen die schwierigen Probleme des Menschen neben uns mitzutragen. Ein guter Rat im "Jahr der Barmherzigkeit": Ein mehr an Zärtlichkeit könnte sicher auch die Sprachlosigkeit unserer Zeit überwinden helfen.

 

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