Montag 20. Februar 2017
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Grabner

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Gute Vorsätze
Leitartikel Januar/Februar 2017
Leitartikel Januar/Februar 2017
Von Chefredakteur Henning Klingen
Gute Vorsätze
Leitartikel Januar/Februar 2017
Leitartikel Januar/Februar 2017

Von Chefredakteur Henning Klingen

Wissen Sie noch, was Sie am 5. Dezember getan haben? Waren Sie bei der Arbeit, haben sich um die Familie, die Kinder gekümmert. Oder haben Sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge, Obdachlose oder kranke Menschen engagiert? Dann jedenfalls war dieser 5. Dezember ein Feiertag nur für Sie – und für stolze 3,3 Millionen Menschen in Österreich. Denn es war der "Internationale Tag des Ehrenamtes". Seit 1986 dient er dazu, für das Ehrenamt zu werben. Und dies offenbar mit Erfolg, denn laut Freiwilligenbericht leisten 46 Prozent der Bevölkerung Freiwilligenarbeit. Woche für Woche im Ausmaß von 8 Millionen Stunden.

Ich bin an jenem 5. Dezember wie jeden Morgen ins Büro gefahren. Am Wiener Westbahnhof steige ich dazu um. Es sind noch keine eineinhalb Jahre her, da wurde genau dieser Bahnhof zu einer Drehscheibe der österreichischen Flüchtlingshilfe. Zigtausende Flüchtlinge kamen dort an, suchten nach Familienangehörigen, nach Ladestationen für ihre Handys, nach Auskunft und Hilfe. All dies bekamen sie aus den Händen von freiwilligen Helfern, viele davon Helfer der Caritas. Es wurden Wochen der Gnade, wurde in ihnen doch ein Geist der Solidarität spürbar, der sich dem schlichten Bedürfnis verdankte, anderen Menschen helfen zu wollen. Die vielbesungene Willkommenskultur – sie war und ist eine Kultur des Ehrenamtes. Wer diese jetzt diskreditiert, der diskreditiert damit auch all jene, die sich freiwillig für andere Menschen einsetzen.

Gewiss, man sollte das Loblied auf das freiwillige Engagement nicht blauäugig anstimmen. Denn tatsächlich wird dem Ehrenamt gerade dort hofiert, wo sich der Staat aus der Verantwortung stehlen möchte. Flüchtlingshilfe etwa sollte nicht von Ehrenamtlichen erledigt werden müssen – schließlich ist sie eine vorrangige Aufgabe humanitärer Hilfe, zu der sich die Republik international verpflichtet hat. Auf der anderen Seite braucht der Staat Motoren des Gemeinwohls und Oasen der Nächstenliebe als Korrektiv – eben Ehrenamtliche –, ohne die er zu einem seelenlosen Instrument der Polit-Pragmatiker werden würde.

Wenn Sie also noch nach einem Vorsatz für's neue Jahr suchen, dann werden Sie doch Teil jener großen Bewegung, die aus der freiwilligen Arbeit auch ein hohes Maß an Glück und persönlicher Zufriedenheit schöpft! Die Kirche bietet eine breite Palette an Möglichkeiten des Engagements – von der Caritas bis hin zur Pflege, von der Pfarre bis zum Ordensbereich. Denn für Christen sollte das Ehrenamt Ehrensache sein.

Schaukästen sind Visitenkarten
Georg Planks Kolumne 'Aus dem Seitenschiff'
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Schaukästen sind Visitenkarten
Georg Planks Kolumne 'Aus dem Seitenschiff'
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

Stolz zeigte mir meine Berliner Gesprächspartnerin die historisch bedeutsame evangelische Gethsemanekirche im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Während der 1980er Jahre war die Gethsemanegemeinde ein Sammelpunkt für Oppositionelle und die DDR-Friedensbewegung. 1989 spielte sie eine aktive Rolle bei der friedlichen Revolution und beim Fall der Berliner Mauer.

Während des ersten Ökumenischen Kirchentags 2003 fanden hier zwei ökumenische Gottesdienste mit gemeinsamer Abendmahlsfeier evangelischer und katholischer Christen statt – trotz des Verbotes durch Papst Johannes Paul II. war die Beteiligung an den Feiern riesig. Der aus Graz stammende Priester und Theologe Gotthold Hasenhüttl lud bei einem katholischen Gottesdienst alle zur Teilnahme an der Kommunion ein und wurde daraufhin suspendiert. Spannend, kontroversiell, aktuell: Auch heute wirkt in dieser Kirche eine lebendige und innovative Gemeinde mitten in einem extrem säkularen Umfeld.

Umso bedauerlicher fand ich, dass die rund um die Kirche aufgestellten Schaukästen den gegenteiligen Eindruck vermittelten. Abgelaufene Termine, dilettantische Plakate, Insidersprache und generell lieblose Gestaltung wirken auf Interessierte wohl kaum attraktiv. Leider ist das ein allgemeiner Trend in vielen Pfarren. Man unterschätzt, dass Schaukästen eine Visitenkarte sind. Genauso wie Pfarrblätter, Homepages und diverse Folder, die Menschen ja positiv ansprechen sollen. Innen hui, außen pfui!

Aus dem neuen »miteinander«

"Wir müssen das Fundament neu bauen"

Bischof Krautwaschl zur Zukunft der Berufungspastoral

Berufungspastoral hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Menschen wollen bei der Suche nach ihrer Lebensberufung begleitet werden. Erst dann wird Berufung "im engeren Sinne" möglich. Diese Entwicklung macht auch vor dem Canisiuswerk nicht Halt.

 

Bischof Wilhelm Krautwaschl, Graz-SeckauHerr Bischof, Sie sind seit Jahren intensiv mit dem Thema Berufungspastoral befasst. Wie hat sich diese verändert?

 

Früher war die Aufgabe relativ klar: Berufungen fördern bedeutete, der Entscheidung zu geistlichen Berufen den Weg bahnen. Das funktioniert heute nicht mehr ohne weiteres, da es keine selbstverständlich christlich geprägte Kultur mehr gibt. Die Individualisierung und Pluralisierung macht auch vor der Religion nicht Halt – wir können nichts mehr voraussetzen an religiöser, geschweige denn kirchlicher Sozialisierung. Das heißt für die Berufungspastoral, dass wir überhaupt erst jenes Fundament neu bauen bzw. schaffen müssen, auf dem dann eine Entscheidung für eine bestimmte Berufung aufbauen kann.

 

Das heißt, Berufungspastoral muss heute lebensweltlich und breit ansetzen?

 

Ja, wenn wir mit den Menschen heute leben wollen. Das erste Ziel ist es, mit Personen ins Gespräch zu kommen und überhaupt erst die Frage zu artikulieren, was denn die je eigene Berufung ganz allgemein im Leben ist. Diesen breiten Ansatz haben wir übrigens auch im Leitbildprozess des Canisiuswerkes verfolgt, der 2012 endete. Unser Vorschlag sah u.a. vor, die Berufungspastoral in den Diözesen zu stärken, denn dort muss eben dieser Dialog mit den Menschen auf Augenhöhe forciert werden.

 

Derzeit läuft ein von der Bischofskonferenz begleiteter Prozess der Neuaufstellung des Canisiuswerkes, an der auch Sie aktiv beteiligt sind. Sollen dabei die Vorschläge aus dem neuen, aber noch nicht offiziell beschlossenen Leitbild aufgegriffen werden?

 

Für mich ist in diesem Prozess das Leitbild und damit ein breiter Ansatz der Berufungspastoral wegweisend. Es geht genau darum: Zu diskutieren, welche Akzente es auf nationaler Ebene braucht und welche Dinge besser in den Diözesen organisiert werden. Aber das bedeutet zugleich auch, dass wir uns in der Bischofskonferenz intensiver damit befassen müssen, was wir jeweils unter Berufungspastoral verstehen.

 

Das heißt, die Neuausrichtung des Canisiuswerkes muss als Teil eines größeren Diskussionsprozesses über die Zukunft wesentlicher Aspekte moderner Pastoral überhaupt gesehen werden?

 

So könnte man das sagen, ja. Als Christ wird man nicht geboren, Christsein bedeutet eine bewusste Entscheidung. Und der Weg dazu soll gut und einfühlsam bereitet werden. Das gilt für die Tätigkeit des Canisiuswerkes, aber letztlich genauso für die Seelsorge in jeder Pfarre. In ganz Österreich sind in Pfarren und Diözesen Prozesse der Neuausrichtung und der Neubestimmung der eigenen „Mission“ im Gang.

 

Inwiefern haben auch finanzielle Fragen etwas mit der laufenden Neuausrichtung zu tun?

 

Gute Pastoral kostet Geld. Genauso auch eine gute, ertragreiche Berufungspastoral. Mit dem nun begonnenen Prozess sollen die damit verbundenen Fragestellungen auf den Tisch kommen. Es braucht zweifellos weiterhin das Canisiuswerk, es braucht auch weiterhin das „miteinander“, um die Notwendigkeit zeitgemäßer Berufungspastoral medial zu transportieren. Die Spenden sollen auch weiterhin dort ankommen, wo sie benötigt werden: In Maßnahmen zur Förderung der Berufungen im breiten wie im engeren Sinne. Stipendien für Priesterseminaristen gab es immer und wird es auch künftig weiterhin geben –vielleicht sogar dringender denn je angesichts der hohen Zahl an Spätberufenen, die aus einem vorherigen Berufsleben aussteigen. Aber nochmal: Das Finanzielle steht nicht im Vordergrund. Unser Ziel ist es, die Berufungspastoral fit zu machen für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts.

 

Das Interview führte Henning Klingen

 


 

Das Gespräch erscheint im nächsten "miteinander", Ausgabe 1-2/2016.

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