Friday 30. September 2016
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Grabner

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Von Freunden & Feinden
Leitartikel September 2016
Leitartikel September 2016
Von Chefredakteur Henning Klingen
Von Freunden & Feinden
Leitartikel September 2016
Leitartikel September 2016

Von Chefredakteur Henning Klingen

Ich habe 419 Freunde, "Facebook"-Freunde. - "Bekanntschaften" wäre wohl korrekter. Wobei ich nicht zu jenen Kulturpessimisten zähle, die mit den sozialen Netzwerken das Ende der unmittelbaren Freundschaften gekommen sehen. Denn Freundschaften – seien sie virtuell oder "real" – haben eines gemeinsam: Sie basieren auf der Bereitschaft, aufrichtig miteinander zu kommunizieren und sich für den anderen zu interessieren. Eine der Hauptkompetenzen in funktionierenden Freundschaften – und ein seltenes Gut.

Rar ist derzeit auch der Friede. Der militärische Friede in Nahost, aber auch der soziale Friede vor der eigenen Haustür. Dieser Übergang mag abrupt erscheinen, tatsächlich jedoch hat das eine mit dem anderen zu tun. Denn unter dem Eindruck rapider gesellschaftlicher Veränderungen, die bei vielen Menschen soziale Abstiegsängste schüren, hat sich eine neue Politik der Verfeindung Bahn gebrochen: Flüchtlinge? Sozialschmarotzer oder gar Kriminelle! Mindestsicherung? Eine Einladung in die soziale Hängematte! Stück für Stück haben wir zugelassen, das neue Feindbilder von uns Besitz ergriffen, dass sie Herz und Hirn vergiften konnten.

Ein Loblied auf die Freundschaft setzt immer bei den persönlichen, intimen Freundschaften an. Da ist die Politik weit weg. Aber Freundschaften sind immer auch Transmissionsriemen: Was wir im Kleinen erleben, kann uns stark machen, um den Versuchungen der Verfeindung im Großen zu widerstehen. Wahre Freundschaft funktioniert nicht, wo sie sich exklusiv abschottet. Freundschaft ist nicht selbstgenügsam, sie bewahrt sich, indem sie sich an den Nächsten verschenkt. Das mag etwas "esoterisch" klingen, aber wäre nicht ein Nachdenken über das, was die persönlichen Freundschaften auszeichnet, ein erster Schritt, um Verfeindungsmuster zu durchbrechen? Um aus Feinden Gegner werden zu lassen, die nicht auf die Vernichtung des anderen, sondern auf den Wettstreit um das Richtige zielen.

Vielleicht wundert Sie, dass ich bislang die religiöse Dimension der Freundschaft ausgespart habe. Dabei setzen viele (Neu-)Evangelisierungsprojekte auf "Freundschaft mit Jesus" und auf die spirituelle Sehnsucht junger Menschen nach Freundschaft. Mich hat diese Metapher nie überzeugt. Mein religiöses Ringen kennt andere Farbspiele, es ist weniger in das warme Rot liebender Gewissheit getaucht als vielmehr in das Grün streitbarer Hoffnung. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Zug. Unterwegs in die fast 1.000 Kilometer entfernte Heimat. Zu einem Treffen mit alten Freunden. Denn Freundschaft gibt Heimat. Wie der Glaube – nur anders.

Fehlt und Bekennertum?
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Ingeborg Schödl
Fehlt und Bekennertum?
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Ingeborg Schödl

Die Kirche präsentiert sich heute anders als in meiner Jugendzeit. Ein Kirchenbesuch etwa bedeutete damals Teilnahme an traditionellen Feierlichkeiten, die man nur als Randfigur absolviert hat. Heute ist auch hier die Fröhlichkeit und Spontanität eingezogen. Rhythmische Musik, afrikanische Tänze oder lateinamerikanische Klänge sind in den heiligen Hallen nicht mehr verpönt und laden zum Mitmachen ein. Für Jesus wird marschiert und man trifft sich dabei auch mit Menschen gegensätzlicher Lebenshaltung. Wallfahren ist ebenfalls wieder "in", das Gemeinschaftserlebnis zieht selbst Fernstehende an.

Alles gut und schön – Nörgler, die meinen, der Zeitgeist sei in die Kirche eingezogen, gibt es immer. Was mich dagegen in meinem "Seitenschiff" beschäftigt, ist, dass neben der Präsentation des Christentums durch öffentlichkeits- und auch medienwirksame Aktivitäten, das "Bekennertum" im Alltag zunehmend unterzugehen droht.

Wo bringen wir uns bei gesellschaftlichen Themen noch als Christen ein? Wo erheben wir unsere Stimme, wenn christliche Grundsätze unterzugehen drohen? Protestieren wir, wenn unsere christlichen Symbole zusehends aus dem öffentlichen Raum verbannt werden? Trifft ein Politiker eine Entscheidung aus christlicher Verantwortung, auch wenn diese gegen die Parteilinie ist? Oder hat ein Unternehmer schon einmal damit geworben, dass sein Betrieb nach christlichen Grundsätzen geführt wird?

Singen, marschieren oder tanzen für Jesus ist halt doch leichter, als in seinem Geist zu handeln.

Aus dem neuen »miteinander«

"Wir müssen das Fundament neu bauen"

Bischof Krautwaschl zur Zukunft der Berufungspastoral

Berufungspastoral hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Menschen wollen bei der Suche nach ihrer Lebensberufung begleitet werden. Erst dann wird Berufung "im engeren Sinne" möglich. Diese Entwicklung macht auch vor dem Canisiuswerk nicht Halt.

 

Bischof Wilhelm Krautwaschl, Graz-SeckauHerr Bischof, Sie sind seit Jahren intensiv mit dem Thema Berufungspastoral befasst. Wie hat sich diese verändert?

 

Früher war die Aufgabe relativ klar: Berufungen fördern bedeutete, der Entscheidung zu geistlichen Berufen den Weg bahnen. Das funktioniert heute nicht mehr ohne weiteres, da es keine selbstverständlich christlich geprägte Kultur mehr gibt. Die Individualisierung und Pluralisierung macht auch vor der Religion nicht Halt – wir können nichts mehr voraussetzen an religiöser, geschweige denn kirchlicher Sozialisierung. Das heißt für die Berufungspastoral, dass wir überhaupt erst jenes Fundament neu bauen bzw. schaffen müssen, auf dem dann eine Entscheidung für eine bestimmte Berufung aufbauen kann.

 

Das heißt, Berufungspastoral muss heute lebensweltlich und breit ansetzen?

 

Ja, wenn wir mit den Menschen heute leben wollen. Das erste Ziel ist es, mit Personen ins Gespräch zu kommen und überhaupt erst die Frage zu artikulieren, was denn die je eigene Berufung ganz allgemein im Leben ist. Diesen breiten Ansatz haben wir übrigens auch im Leitbildprozess des Canisiuswerkes verfolgt, der 2012 endete. Unser Vorschlag sah u.a. vor, die Berufungspastoral in den Diözesen zu stärken, denn dort muss eben dieser Dialog mit den Menschen auf Augenhöhe forciert werden.

 

Derzeit läuft ein von der Bischofskonferenz begleiteter Prozess der Neuaufstellung des Canisiuswerkes, an der auch Sie aktiv beteiligt sind. Sollen dabei die Vorschläge aus dem neuen, aber noch nicht offiziell beschlossenen Leitbild aufgegriffen werden?

 

Für mich ist in diesem Prozess das Leitbild und damit ein breiter Ansatz der Berufungspastoral wegweisend. Es geht genau darum: Zu diskutieren, welche Akzente es auf nationaler Ebene braucht und welche Dinge besser in den Diözesen organisiert werden. Aber das bedeutet zugleich auch, dass wir uns in der Bischofskonferenz intensiver damit befassen müssen, was wir jeweils unter Berufungspastoral verstehen.

 

Das heißt, die Neuausrichtung des Canisiuswerkes muss als Teil eines größeren Diskussionsprozesses über die Zukunft wesentlicher Aspekte moderner Pastoral überhaupt gesehen werden?

 

So könnte man das sagen, ja. Als Christ wird man nicht geboren, Christsein bedeutet eine bewusste Entscheidung. Und der Weg dazu soll gut und einfühlsam bereitet werden. Das gilt für die Tätigkeit des Canisiuswerkes, aber letztlich genauso für die Seelsorge in jeder Pfarre. In ganz Österreich sind in Pfarren und Diözesen Prozesse der Neuausrichtung und der Neubestimmung der eigenen „Mission“ im Gang.

 

Inwiefern haben auch finanzielle Fragen etwas mit der laufenden Neuausrichtung zu tun?

 

Gute Pastoral kostet Geld. Genauso auch eine gute, ertragreiche Berufungspastoral. Mit dem nun begonnenen Prozess sollen die damit verbundenen Fragestellungen auf den Tisch kommen. Es braucht zweifellos weiterhin das Canisiuswerk, es braucht auch weiterhin das „miteinander“, um die Notwendigkeit zeitgemäßer Berufungspastoral medial zu transportieren. Die Spenden sollen auch weiterhin dort ankommen, wo sie benötigt werden: In Maßnahmen zur Förderung der Berufungen im breiten wie im engeren Sinne. Stipendien für Priesterseminaristen gab es immer und wird es auch künftig weiterhin geben –vielleicht sogar dringender denn je angesichts der hohen Zahl an Spätberufenen, die aus einem vorherigen Berufsleben aussteigen. Aber nochmal: Das Finanzielle steht nicht im Vordergrund. Unser Ziel ist es, die Berufungspastoral fit zu machen für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts.

 

Das Interview führte Henning Klingen

 


 

Das Gespräch erscheint im nächsten "miteinander", Ausgabe 1-2/2016.

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