Wofür lebst du?
Sr. Dr. Gertraud Harb
Für Gott und dafür, mit ihm, verbunden zu bleiben. Ich möchte den Menschen um mich wahr- und annehmen, ihr Not...
Wofür lebst du?
Sr. Dr. Gertraud Harb

Für Gott und dafür, mit ihm, verbunden zu bleiben. Ich möchte den Menschen um mich wahr- und annehmen, ihr Not lindern und ihnen dadurch Gottes Liebe erfahrbar machen. Sr. Dr. Gertraud Harb, Pastoralassistentin Graz

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Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018
von Chefredakteur Henning Klingen
Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018

von Chefredakteur Henning Klingen

Alt werden, jung bleiben

 

Was für ein Sommer! Abkühlung boten da nicht nur wohltemperierte Kirchen, sondern auch die „Salzburger Hochschulwochen“, die heuer mit dem Slogan „Smarte Sommerfrische“ warben. Auch wenn’s denkbar schwierig war: Gemeinsam mit fast 900 Teilnehmern versuchte ich auch heuer wieder, einen kühlen Kopf zu bewahren, zuzuhören und mitzudiskutieren. Ich erzähle Ihnen das, weil ich dabei zwei Phänomene beobachten konnte: zum einen zahlreiche gerade ältere Teilnehmer, die mit Hingabe diskutiert, kritisch nachgefragt, mitgedacht und damit im Geiste Jugendlichkeit bewiesen haben; zum anderen aber auch so manchen jugendlichen Teilnehmer, der sich gerade in religiösen Fragen und Debatten mit einer erstaunlichen Beharrlichkeit kritischen Anfragen an den Glauben verweigert hat.

Auch wenn dies nur verstreute Beobachtungen sind, so setzt sich bei mir doch schon seit Längerem ein Verdacht fest: Kann es sein, dass junge Gläubige von der Kirche gerade nicht Agilität und kritischen Geist erwarten, sondern Beständigkeit und vermeintliche Gewissheiten suchen? Ein Eindruck, den ich im Übrigen auch von mancher Gemeinschaft habe, die mit Feuereifer von Neuevangelisierung, Wahrheit, Gott und Erlösung spricht, sich aber zugleich jenem Feuer der Aufklärung entzieht, durch das der Glaube meines Erachtens gehen muss, will er nicht nur oberflächliche Zustimmung erheischen, sondern zur tiefen Überzeugung werden.

Jugend, das meint doch immer auch Zukunftsdrang und Rebellion. Wird sich dies auch bei der „Jugendsynode“ zeigen, die in Kürze in Rom stattfindet? Ist das vielleicht gar die Faszination, die von Papst Franziskus ausgeht: seine Jugendlichkeit, die die geistige Regsamkeit manch kirchlicher Jugend überstrahlt? Wenn es zutreffen soll, dass die Kirche jung ist, dann wird sie dies wohl nicht dadurch, dass sie sich zur Eventfabrik umgestaltet. Das machen andere besser, professioneller. Nein, wenn Kirche jung sein will, dann muss sie im Geiste jung bleiben. Das jedoch ist keine Frage des biologischen Alters ...


Henning Klingen

 

Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff
Kolumne vonDr. Georg Plank
Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff

Kolumne vonDr. Georg Plank

 

Das Rebenprinzip

 

Wer im Herbst pralle Trauben bewundert, weiß, wie viel Arbeit das ganze Jahr über notwendig war, damit jetzt Früchte geerntet werden können. Zur jeweils rechten Zeit mussten die richtigen Maßnahmen erledigt werden, sonst wären viele Blätter gewachsen, aber wenige Lebensmittel. Oft übersehen wird, dass es auch lange Perioden des Nichtstuns, des Gewährenlassens und des aufmerksamen Beobachtens gibt, in denen das eigentliche Wachstum einfach passiert bzw. geschenkt wird.

 

Im Sinne von Joh 15,2 gilt es daher auch in den Weingärten unserer pastoralen Handlungsfelder, dem Vorbild des guten Winzers zu folgen. Er rückt die Reben, die Frucht tragen, in den Mittelpunkt. Er reinigt sie, damit sie mehr Früchte bringen. Für mich bedeutet das mehr Möglichkeiten für heutige Menschen, zu erleben, was Menschen aller Kulturen (nicht nur Glaubens- oder Volksgenossen) vor 2.000 Jahren mit Jesus erlebten: Aufrichtung, Orientierung, Befreiung, Ermächtigung, Heilung, Gottesbeziehung und Sendung. Dieses „die fruchtbaren Reben reinigen“ korrespondiert mit dem Konzept inkrementeller Innovationen: Konzentriere dich auf das schon vorhandene Gute und investiere darin, es noch besser zu machen. Denn der Feind des Besseren ist oft nicht das Schlechte, sondern das Gute – eine bittere Erfahrung, die gerade große traditionelle Organisationen in Zeiten des Umbruchs machen.

 

Wir kennen aber auch den ersten Teil dieses Vorgangs: Der Weinstock muss von Reben befreit werden, die keine Frucht (mehr) bringen. Auch davor scheuen kluge Weinbauern nicht zurück.

 

 

Georg Plank

Pastoralinnovation

www.pastoralinnovation.at

Themen & Schwerpunkte

Ja, ich will!

Wer kirchlich heiraten will, besucht einen Ehevorbereitungskurs. Einen Tag, ein Wochenende oder mehrere Abende. Ziel ist es, zum Partner ein wirklich reifes Ja sagen zu können.

Im Wiener Prater haben sie sich kennengelernt, sieben Jahre später macht er ihr bei einer Fahrt mit dem Riesenrad einen Heiratsantrag. Heute sind Claudia Propst und Stephan Hahnekamp seit einem Jahr verlobt und bereiten sich auf die kirchliche Trauung und auf ihre Ehe vor. Warum sie sich entschieden haben zu heiraten? „Wir waren schon sieben Jahre zusammen und wollten, dass es definitiv weitergehen soll“, sagt Stephan Hahnekamp.

 

Die beiden waren sich einig, dass sie nicht nur vor dem Standesbeamten Ja zueinander sagen würden, sondern auch vor Gott. „Nur standesamtlich zu heiraten, wäre zu wenig. Da hätte ich das Gefühl, es fehlt etwas“, sagt Claudia Propst und nennt das spirituelle Element, die Bekräftigung ihrer Ehe durch Gott und die Emotionalität als Beweggründe für die Hochzeit in der Kirche. „Die kirchliche Trauung hat einfach eine andere Aura.“ Jährlich treten rund 11.000 Paare in Österreich vor den (katholischen) Traualtar. Die zukünftigen Eheleute können aus unterschiedlichen Angeboten der Ehevorbereitung wählen. Vom klassischen Ein-Tages-Seminar über den Wochenendkurs bis zu mehreren wöchentlichen Treffen.

 

Sich neu kennenlernen

Sechs Abende je einmal pro Woche zu je drei Stunden umfasst der Ehevorbereitungskurs „traut euch“ der Schönstatt-Bewegung. Eva und Otmar Tod, selbst seit 42 Jahren verheiratet, leiten den Kurs und stellen fest: „Nicht wir bereiten die Ehe vor, sondern die Paare selbst.“ Anregungen, Empfehlungen und Erfahrungsberichte kommen von erfahrenen Ehepaaren, einem Priester oder einer Schönstatt-Familienschwester.

 

 Im Gespräch unter vier Augen reflektiert das Paar das Gehörte und fragt sich: Welchen Weg wollen wir gehen? Abend für Abend ackern die Paare so Themen wie Kommunikation, Sexualität, die Unterschiede zwischen Mann und Frau, Finanzen oder Herkunftsfamilie durch. Das Sakrament der Ehe und die Hochzeitsfeier werden besprochen. „Die Paare sollen sich nach diesen sechs Abenden richtig kennengelernt haben“, sagt Eva Tod. Und tatsächlich würden immer wieder Paare sagen: Darüber haben wir noch nie geredet.

 

Weniger Scheidungen

Das Ziel der Ehevorbereitung ist für Eva und Otmar Tod klar: weniger Scheidungen. Sie sehen es deshalb durchaus positiv, wenn Paare nach dem Kurs entscheiden, doch nicht zu heiraten. „Sechs bis sieben Prozent der Paare kommen drauf: Das ist doch nicht der richtige Partner.“ Andere sagen, dass sie erst nach dem Kurs wirklich Ja zueinander sagen können. Die Hoffnung, die Eva und Otmar Tod für die jungen Paare haben: „Sie sollen später im Leben das, was sie sich im Kurs erarbeitet haben, abrufen können. Und nicht bei der ersten Schwierigkeit alles hinschmeißen.“ Und: „Sie sollen im Gespräch bleiben.“ Einmal pro Woche, mindestens aber alle vierzehn Tage ein gutes Gespräch. Dann werde die Ehe gelingen, sind die beiden überzeugt.

 

 

Ja: klein und kräftig

Über tausend Paare aus ganz Österreich haben die „traut euch“-Ehevorbereitung bis jetzt absolviert. Claudia Propst und Stephan Hahnekamp, die im September heiraten werden, sind eines davon. „Wir wussten nicht, worauf wir uns einlassen“, erinnert sich Claudia Propst, „aber es hat uns total viel gebracht und wir würden es jedem Paar empfehlen.“ Ihr Ja zueinander deuten die beiden übrigens so: „Das Ja ist mit seinen zwei Buchstaben das kleinste mögliche Wort, aber es ist kompromisslos. Es ist so klein und so kräftig.“

 

Sandra Lobnig

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Mai/Juni 2018

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