Mittwoch 20. Juni 2018
Wofür lebst du?
Matthias Unterkofler
Für Musik, die die Herzen der Menschen berührt. Für die Mernschen, die diese zum Erlebnis werden lassen. Für die...
Wofür lebst du?
Matthias Unterkofler

Für Musik, die die Herzen der Menschen berührt. Für die Mernschen, die diese zum Erlebnis werden lassen. Für die Menschen an meiner Seite, von denen ich die Kraft dazu bekomme. Matthias Unterkofler, Leitung Grazer Kapellknaber
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

Mag. Elisabeth Mayr

Ihre Ansprechpartnerin:

Mag. Elisabeth Mayr

Stephansplatz 6

1010 Wien

Tel.: +43 1 512 51 07 - 13

 

» Mail   |   Redaktion & Impressum

 


Ja und Amen
Leitartikel Mai/Juni
von Chefredakteur Henning Klingen
Ja und Amen
Leitartikel Mai/Juni

von Chefredakteur Henning Klingen

 Der Ja-Sager

 

Ich bin ein Ja-Sager. Vor 14 Jahren habe ich zu meiner Frau Ja gesagt, bislang dreimal zu Kindern. Das war jetzt aufgelegt, gebe ich zu. Aber auch dazwischen gab es unzählig viele Ja: ein Ja zu meiner Berufsausbildung, ein Ja zu einer Dissertation, zur Übernahme der Leitung des „miteinander“. Im Rückblick wirken Biografien stets wie aus einem Guss, wie gefügt. Dabei wird gern übersehen, wie mühsam errungen viele dieser bewussten Ja waren; mit welchen Reibungsverlusten sie einhergingen.

 

Über all den kleinen und größeren Entscheidungen schwebt die Frage nach dem ersten Ja – dem Ja zum Leben. Nehme ich an, was mir da im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt wurde? Ver-danke ich mich und nehme das Leben als Geschenk an? Oder leide ich still, hadere ich mit dem Schicksal? Dieses Ja muss tatsächlich jeden Morgen neu gesprochen werden – mal wird es übertönt vom Alltagsrauschen, mal trotzig genau diesem monotonen Alltag entgegengeschleudert.

 

Wer indes laut Ja sagt – und sei es, indem er der Tristesse ein Lächeln entgegensetzt –, macht sich manchmal gar verdächtig. Verdächtig, weil er Dingen zustimmt, die der Kritik würdig sind. Verdächtig auch, weil ein fröhliches Ja nach Naivität, Unbedachtheit oder schlicht Bequemlichkeit aussieht. Denn Widerspruch kostet Kraft, die Anstrengung kritischer Durchdringung.

 

Interessanterweise ist es im Glauben inzwischen genau umgekehrt. Das Nein kommt gerade jungen Menschen scheint’s leichter über die Zunge als das bewusste Ja zum Glauben. Und leider haben sie ja dabei häufig recht – denn was mancherorts in Katechese oder Religionsunterricht dargeboten wird, macht ein reifes Ja tatsächlich schwer. Gott und Kirche werden dort nicht selten zu magischen Ereignissen oder Orten verniedlicht, die vom Priester zelebriert und gegen jede Kritik immunisiert werden.

 

Gewiss, es gibt sie – Gott sei Dank –, die Priester und Religionslehrer, die ihre „Sache“ auf der Höhe der Zeit auch theologisch argumentieren können. Aber viele werden nicht zuletzt aufgrund laufender Strukturreformprozesse derart durch administrative Tätigkeiten aufgerieben, dass ihnen kaum mehr Zeit bleibt, Ja zu sagen zu der Verantwortung, junge Menschen in das Wagnis Glauben einzuführen. Vielleicht bedenken Sie diese Zerrissenen, deren Zahl stetig wächst, einmal mit einem kleinen Stoßgebet, wenn Sie in den nächsten Wochen die eigenen Kinder oder Patenkinder auf dem Weg zu ihrem hoffentlich reifen Glaubens-Ja – der Firmung – begleiten.

 

 

 

Eh!
Pastoralinnovation
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Eh!
Pastoralinnovation
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

 

Eh!

 

Von „Ja, eh!“, „Das haben wir eh schon gemacht“ oder „Es geht eh ganz gut“ bis zu „Hast eh recht, aber …“: Das Wörtchen „eh“ ist besonders in seiner austrifizierten Anwendung kürzestmöglicher Ausdruck von Innovationsverweigerung. Immer öfter reagiere ich darauf schroff mit „Das heißt, du willst nicht besser werden?“. Denn wer sich mit dem Status quo zufrieden gibt, lehnt jegliche Veränderung und damit potenzielle Verbesserung ab. Innovationen sind ja nicht einfach etwas Neues, sondern etwas Besseres. Sonst würde niemand ein neues Handy kaufen, für den Urlaub eine andere Destination wählen oder sein Kind in eine bestimmte Musikschule schicken.

 

Die Sehnsucht, besser zu werden und Besseres zu schaffen, hat geistbewegte Menschen inner- und außerhalb der Kirche immer schon angetrieben. Der Feind des Besseren ist allerdings oft nicht das Schlechte, sondern das Gute. „Funktioniert eh ganz gut!“ führt schnell zu einer selbstbezogenen Zufriedenheit, die Kreativität erstickt und neue Initiativen bremst.

 

Biblisches Fundament für das Bessere ist das bekannte Bildwort vom Weinstock. „Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt“ (Joh 15,2b). Übrigens, von daher erschließt sich auch das sperrige Jesuswort „Wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben“ (Mt 25,29).

 

Mehr Früchte im Geiste Jesu bedeutet Besseres: mehr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung; weniger Leid, weniger Ausbeutung und Stumpfsinn. Deshalb lohnt es sich, für das Bessere zu kämpfen und zu arbeiten. Eh klar!

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Mai/Juni 2018

Jetzt kostenloses Probeabo bestellen!

Vergiss es (nicht)!

Diagnose Demenz: Leben im Fragment

Die Diagnose Demenz ist für Betroffene wie für Angehörige ein harter Schlag. Wie damit umgehen, wenn ein Mensch langsam „verschwindet“?

 

 

 

Mens, mentis: Im Latein-Wörterbuch finden sich eine Reihe von Bedeutungen für dieses Wort. Denkvermögen, Verstand, Überlegung, Einsicht, Besinnung, Gesinnung, Charakter, Gewissen, Mut, Leidenschaft. Im übertragenen Sinn wird es auch für Seele und Geist verwendet. In einem Demenz-Prozess gehen über einen oft langen Zeitraum immer mehr der hier benannten menschlichen Fähigkeiten verloren. Das wird mit dem Begriff Demenz recht treffend beschrieben. Dieser Vorgang ist sehr schmerzlich für den Menschen, den er betrifft, und für alle, die ihn oder sie lieben.

 

Seit Jahren ist Demenz ein öffentliches Thema, das für Katastrophenmeldungen gut ist, wenn über steigende Fallzahlen und explodierende Kosten gesprochen wird, aber auch wenn tragische Schicksale öffentlich breitgetreten werden. Dagegen hat sich eine Bewegung gebildet, die seriös über das Thema und die Möglichkeiten eines positiven Umgangs damit informieren möchte und für bessere Lebensmöglichkeiten für Betroffene kämpft. An dieser Bewegung beteiligt sind viele (Selbsthilfe-)Gruppen und Personen. Es wird geforscht und um die richtigen Konzepte gestritten und auch für die Kirchen ist Demenz ein Thema geworden.

 

„Demenzfreundliche Bezirke“

Vor bald zehn Jahren konnte ich in Berlin das „Geistliche Zentrum für Menschen und Demenz und ihre Angehörigen“ besuchen, wo damals schon neben zahlreichen anderen Aktivitäten „Gottesdienste für Menschen mit Demenz, deren Angehörige und die ganze Gemeinde“ gefeiert wurden. Und zwar nicht irgendwann unter der Woche, sondern im Rahmen des Hauptgottesdienstes der Gemeinde am Sonntag. Die CS Caritas Socialis hat in Wien mit einem engagierten Demenz-Projekt den Anstoß zur Initiative „demenzfreundliche Bezirke“ gegeben. Begonnen hat es im 3. Bezirk. Jetzt haben sich auch im 9., 13. und 23. Bezirk verschiedenste Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Kirchen dem Anliegen angeschlossen.

 

Eine Besonderheit, von der ich bei meinem Besuch in Berlin erfahren habe, war, dass die Gottesdienste nicht auf Initiative der (evangelischen) Kirche entstanden sind, sondern angeregt wurden aus Kreisen der Hauskrankenpflege, wo aufgefallen ist, wie schmerzlich für viele alte Menschen der Verlust ihrer Verbindung zur Kirchengemeinde ist. Dieser von außen kommende Impuls macht deutlich, wie zentral das Thema für eine Kirche ist, die von sich sagt: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ (Gaudium et Spes 1)

 

Leben in Zerbrechlichkeit

Das ernst zu nehmen, macht es notwendig, Menschen mit Demenz und ihre Familien nicht an den Rand zu drängen, sondern in die Mitte zu holen. Und das bedeutet auch, sie nicht als bemitleidenswert zu stigmatisieren, sondern auch danach zu fragen, was sie der Kirche und unserer Gesellschaft zu sagen haben. Menschen mit Demenz helfen, Mensch-Sein in seiner fundamentalen Zerbrechlichkeit zu verstehen und auch den Gott, der sich zerbrechen lässt am Kreuz und im gebrochenen Brot zerbrechliche Gegenwart wird.

 

Im Buch des österreichischen Autors Arno Geigers über seinen Vater, „Der alte König in seinem Exil“, gibt es einen Abschnitt über den Wunsch, den sein Vater, wie viele an Demenz Leidende, immer wieder äußert: „Ich will nach Hause!“ Am Schluss dieses wunderbaren, teils humorvollen Abschnitts zeigt Geiger, wie Menschen mit Demenz, die vieles verloren haben, oft die Fähigkeit gewinnen, Wesentliches ganz tief zu empfinden und auszudrücken: „Spontan vollzog der Vater, was die Menschheit vollzogen hatte: Als Heilmittel gegen ein erschreckendes, nicht zu enträtselndes Leben hatte er einen Ort bezeichnet, an dem Geborgenheit möglich würde, wenn er ihn erreichte. Diesen Ort des Trostes nannte der Vater Zuhause, der Gläubige nennt ihn Himmelreich.“ (S. 56)

 

 

Franz Josef Zessner-Spitzenberg

 

 

Dr. Franz Zessner ist Seelsorger und Leiter der Sozial-Pastoralen Dienste der Caritas Socialis in Wien.

 

 

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe November/Dezember 2017

Jetzt kostenloses Probeabo bestellen!

CANISIUSWERK

Zentrum für geistliche Berufe

Stephansplatz 6
1010 Wien

Telefon: +43 1 512 51 07
Fax: +43 1 512 51 07 - 12
E-Mail: office@canisius.at
Darstellung:
https://www.miteinander.at/