Freitag 23. Februar 2018
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

Mag. Elisabeth Mayr

Ihre Ansprechpartnerin:

Mag. Elisabeth Mayr

Stephansplatz 6

1010 Wien

Tel.: +43 1 512 51 07

 

» Mail   |   Redaktion & Impressum

 


Gott sei Dank!
Leitartikel Jänner/Februar 2018
von Chefredakteur Henning Klingen
Gott sei Dank!
Leitartikel Jänner/Februar 2018

von Chefredakteur Henning Klingen

Eigentlich ist es ein Leichtes, ein Editorial zum Thema Dankbarkeit zu schreiben. Schließlich gibt es genügend Dinge, für die man dankbar sein darf: für die eigene Gesundheit, für eine wunderbare Familie, dafür, einen Job in einem der sichersten und reichsten Länder der Welt zu haben, in einer intakten ökologischen und sozialen Umwelt zu leben, und, und, und. Doch gleich schleicht sich das Unbehagen hinein: Ist dieser Blick auf das je eigene Glück nicht viel zu begrenzt? Blendet er nicht das überbordende Unglück in dieser Welt aus und verleitet zur Selbstzufriedenheit? Und lässt ein solcher Blick nicht außer Acht, auf welch dünnem Eis man sich mit diesem unverdienten Glück bewegt? So verlangt eine ihrer Unschuld entkleidete Lebensdankbarkeit vor allem nach einem: Demut. 

 

Es drängt sich aber noch eine weitere Frage auf, die den Bereich des Religiösen berührt: Wer ist eigentlich Adressat dieser Dankbarkeit? Macht Danken nicht nur einen Sinn, wenn mein Dank ein Gegenüber findet? Ein Gegenüber, dem ich etwas ver-danke? Religiös gestimmte Menschen werden sich nicht schwertun, diesen Dank gen Himmel zu schicken und ihre Dankbarkeit etwa in ein Dankgebet kleiden. Was aber machen Agnostiker, Atheisten in diesem Fall? Danken sie dem Schicksal? Oder ist Lebensdankbarkeit keine Kategorie für sie? Wäre dies vielleicht ein lebensweltlich geerdeter Ansatzpunkt für einen neuen Dialog zwischen Glaubenden und Nicht-Glaubenden fernab jeder staubtrockenen Naturwissenschaft vs. Religion-Debatte?

 

Dankbarkeit ist keine Kopfgeburt – sie stellt sich ein, flutet das Herz wie die Erfüllung eines sehnliches Wunsches in Kindertagen. Insofern ist niemand, auch kein sich noch so vehement agnostisch gebender Mensch, vor ihr gefeit. Manchmal ist es nur ein kurzer Moment, der jedoch die Welt und deren oft so mühsamen Verhältnisse in ein anderes, neues Licht rückt. Wer sich – und sei es auch nur für diesen kurzen Moment – verdankt weiß, wer sein Leben in die Hände eines anderen legen kann, dem wird diese Dankbarkeit gleichsam zur Labsal für eine säkular ausgetrocknete aber nach Mehr dürstenden Seele. Kein Gottesbeweis, gewiss, aber doch ein tief im Menschen verborgener Funke jenes Urvertrauens, welches uns der Alltag so oft raubt.

 

In diesem Sinne würde ich Dankbarkeit tatsächlich mit der britischen Schriftstellerin Charlotte Brontë (1816-1855) als „göttliches Gefühl“ beschreiben: „Sie erfüllt das Herz, aber nicht bis zum Zerspringen; sie erwärmt es, aber nicht bis zum Fieber wie andere Gefühle“. 

Wie die Grünen!
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Wie die Grünen!
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

 

Das Wahlergebnis der Grünen bei den Nationalratswahlen wurde mittlerweile intensiv analysiert. Was könnte die katholische Kirche in unserem Land daraus lernen? Die Grünen wähnten sich im Besitz der richtigen gesellschaftspolitischen Diagnose und zugleich der Therapie, also der Politik, die angesichts aktueller Herausforderungen angemessen wäre. Die mangelnde Akzeptanz durch die Wähler begründet man mit einem zweifachen Kommunikationsproblem. Teilweise seien die Leute zu „deppert“ (Originalton Wiener Bürgermeister), teilweise müsse man die eigene Kommunikation verbessern, die „Sprache der Menschen“ wieder lernen etc.

 

Auch die Kirche sieht sich als Trägerin der Wahrheit, der zeitlos gültigen Frohen Botschaft, und ist überzeugt, dass das Befolgen derselben die beste Therapie für die vielen individuellen und sozialen Probleme – lokal und global – wäre. Daher reagiert auch sie gekränkt auf die schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung, die sich nicht nur in Austritts- oder Messbesuchszahlen widerspiegelt, sondern im massiven Relevanzverlust, der sich in der konkreten Art und Weise ausdrückt, wie Menschen tatsächlich leben und handeln. Auch sie will sich in bessere Kommunikationskonzepte retten, ohne zu hinterfragen, ob die Prämisse dafür noch stimmt. Gerne wird zwar Klaus Hemmerle zitiert: „Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.“ Wird das auch glaubwürdig und wirkungsvoll gelebt?

Georg Plank

Pastoralinnovation

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Jänner/Februar 2018

Jetzt kostenloses Probeabo bestellen!

Themen & Schwerpunkte

Immer wieder urlaubsreif

Ein Familieneinblick von Sandra Lobnig

Erholung erwarten wir uns vom Familienurlaub nicht. Dafür ein bisschen Abenteuer, Stärkung für den Alltag und viel Zeit für uns. Ein Familieneinblick von Sandra Lobnig

 

 

Immer wieder urlaubsreifUnser allererster Familienurlaub führte uns nach Berlin. Unser Sohn war neun Monate alt und ein angenehmer Mitreisender. Den kurzen Flug hat er verschlafen. In Berlin angekommen, verfolgte er neugierig aus dem Kinderwagen, was rund herum passierte. Die Tauben fand er spannender als das Brandenburger Tor; der ehemalige Verlauf der Berliner Mauer interessierte ihn nicht, dafür liebte er das Busfahren. Wurde er hin und wieder doch quengelig, konnten wir ihn leicht in der Babytrage beruhigen und er schlummerte ein. Reisen mit Kind kann so herrlich entspannt sein – dachten wir damals ...

Und heute, fünf Jahre später, mit mittlerweile drei Kindern zwischen eineinhalb und fast sechs Jahren? Die Worte Erholung und Entspannung kommen mir sicher nicht als Erstes in den Sinn, wenn ich an Familienurlaub denke. Von unserem Winterurlaub in Südtirol im Jänner sind wir Eltern sogar ziemlich urlaubsreif wieder zu Hause angekommen. Ein erster Kraftakt war das Packen: Unser Familienvan war bis obenhin vollgestopft mit Winterjacken, Skiausrüstung, Duplo-Steinen und Reisegitterbett. Der Älteste lernte mit großem Eifer Skifahren, die Mittlere wollte nach einer halben Stunde auf der Piste unbedingt wieder zurück ins Quartier und unser Jüngster wurde mitten in der Woche krank.

Ich durfte also eine Dreijährige bei Laune halten und ein krankes, sehr anhängliches Kind den ganzen Tag herumtragen, während mein Mann unserem Sohn Bogerlfahren auf der Babypiste beibrachte. Schön war’s trotzdem. Weil wir mit lieben Freunden unterwegs waren, das Wetter traumhaft und die Bergkulisse herrlich war. Und weil das Skifahren auch nach fünfzehn Jahren Pause tadellos geklappt hat.

 

Eis am See Genezareth

Die Zeiten, in denen wir mit Rucksack durch die Anden wanderten, sind also vorübergehend vorbei. Dass man als Familie den Urlaub jahrzehntelang nur noch am Adriastrand oder auf dem Bauernhof verbringt, wollten wir aber auch nicht ohne Weiteres hinnehmen – auch wenn wir die Urlaube am Meer und am Bauernhof bis jetzt sehr genossen haben. Als uns das Fernweh einmal besonders packte und der Winter in Österreich nicht enden wollte, buchten wir kurzerhand Flüge nach Israel. Mein Mann und ich waren schon mehrere Male dort, mit den Kindern würde es sicher noch einmal ein ganz besonderes Erlebnis werden. Und das war es dann auch.Immer wieder urlaubsreif

Wie selbstverständlich spazierten die Kinder durch den arabischen Markt, vorbei an Händlern, die lautstark Falafel, Gewürze und bunte Schals anpriesen. Mit Hummus, Weißbrot und Melone picknickten wir im Park zwischen kinderreichen jüdischen Familien, aßen das erste Eis der Saison am See Genezareth und warteten mehr oder weniger geduldig beim Checkpoint in Bethlehem, um in die Geburtsstadt Jesu zu kommen. Wir erzählten den Kindern die Geschichten, die sie aus ihrer Kinderbibel kennen, und konnten sagen: „Das war hier.“ Dabei stellten wir uns auf das Tempo der Kinder ein, machten lange Spielplatz- und Essenspausen. Regelmäßig fragen die Kinder seither, wann wir denn endlich wieder nach Israel fahren.

 

 

 

Pöllau: Stärkung für Familien

Ein Fixpunkt im Sommer ist für uns das Jungfamilientreffen in Pöllau. Ein riesiger Schlosspark, Kinderprogramm, geistliche Inputs für die Erwachsenen, familienfreundliche Gebetszeiten und viele, viele sympathische Familien aus ganz Österreich machen diese fünf Tage für uns zu einer wahrhaften Tankstelle: Einerseits tut es gut, zu sehen, dass man nicht die einzige Familie ist, die mit vielen Herausforderungen im Alltag zu kämpfen hat. Andererseits inspirieren uns die anderen Familien, mitten durch Alltagschaos und Turbulenzen unseren Weg mit Gott zu gehen. Ich gestehe: Erholung – zumindest physisch – bietet das Jungfamilientreffen auch nicht viel. Damit wir uns wirklich erholen, müssen mein Mann und ich ohne Kinder wegfahren. So ein Wochenende planen wir nach Möglichkeit jedes Jahr ein. Davon profitieren wir – und letztlich auch unsere Kinder. Denn geht’s den Eltern gut, geht’s auch den Kindern gut.

 

 

Sandra Lobnig

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Juli/August 2017

Jetzt kostenloses Probeabo bestellen!

 

 

CANISIUSWERK

Zentrum für geistliche Berufe

Stephansplatz 6
1010 Wien

Telefon: +43 1 512 51 07
Fax: +43 1 512 51 07 - 12
E-Mail: office@canisius.at
Darstellung:
http://www.miteinander.at/