Samstag 22. Juli 2017
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Mag. Elisabeth Mayr

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Angst essen Seele auf
Das Wesen der Angst ist es, gegen Vernunft und Argumente weitgehend immun zu sein. Daher empfiehlt die biblische Religion auch einen Alternativen Weg aus der Angst: Nähe
Leitartikel Mai/Juni 2017
von Chefredakteur Henning Klingen
Angst essen Seele auf
Das Wesen der Angst ist es, gegen Vernunft und Argumente weitgehend immun zu sein. Daher empfiehlt die biblische Religion auch einen Alternativen Weg aus der Angst: Nähe
Leitartikel Mai/Juni 2017

von Chefredakteur Henning Klingen

In unserem Kleiderschrank versteckt sich ein Wolf. Zumindest abends, wenn es dunkel wird. Davon ist meine Tochter überzeugt. Kein gemeinsames Schrank-Öffnen, keine Beteuerung, dass darin nur Wäsche hängt, kann ihr in den Momenten die Angst nehmen. Denn Angst ist fast immer irrational – und eine gewaltige Kraft, die unser sonst so auf Sicherheit bedachtes Leben aus den Fugen geraten lässt. Angst essen Seele auf. Appelle, Erklärungen, Versprechen – all das bringt nichts, wenn sich einmal die Angst hineingefressen hat in unser Herz. Das gilt im Kinderzimmer, aber auch im öffentlichen Leben.

Tatsächlich scheint das zeitdiganostische Zentralmotiv der letzten Jahre – das Wort "Krise" – inzwischen ein Geschwisterchen bekommen zu haben – die Angst: Wir fürchten uns vor Arbeitslosigkeit, vor dem sozialen Abstieg, vor dem Krieg, manch einer fürchtet sich vor dem Fremden – sei es in Gestalt des Flüchtlings oder in Gestalt des Islam. Wo diese Angst keine Ausdrucksform findet, da sucht sie nicht selten ein Ventil in Form von Gewalt.

Es ist das Wesen dieser Angst, gegen Vernunft und Argumente immun zu sein. Ich kann mir noch so oft sagen, dass Darth Vader eine Fantasiegestalt in einem absurden Science-Fiction-Film ist – wenn düstere Musik und seine tiefschwarze Maske zusammenkommen, schaudert’s mich jedes Mal. Solche Urängste schlummern in uns allen – und sie haben auch ihr Gutes, denn sie raten zur Vorsicht, zur Flucht statt zu einem vielleicht aussichtslosen Kampf. Letztlich kann Angst somit auch der doppelte Boden der Vernunft sein: die Stimme der Vernunft jenseits unseres Verstandes.

Und die Bibel? Die Kirche? Der Papst? Sie alle appellieren in unterschiedlichen Schattierungen, mutig zu sein, nicht zu verzagen. Aber machen Appelle dieser Art Sinn, wenn die Angst sich bereits tief in unsere Herzen und Seelen gegraben hat? Ja, es macht Sinn. Denn die biblische Religion bleibt nicht beim bloßen Appell stehen. Sie weist einen Weg aus der Angst, der gleichsam ein Weg mitten ins Leben hinein ist: Es sind dies Nähe, Zärtlichkeit, Liebe.

"Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott", heißt es beim Propheten Jesaja. Angst wird nicht bagatellisiert, sie wird geteilt! "Ich bin mit dir" – ein revolutionäres Sozialprogramm gegen Angst und Aggression. Gewiss, das macht Angst nicht wett, aber es hilft, sie zu ertragen, sie gemeinsam zu schultern. Nichts anderes fordert meine Tochter ein, wenn wieder mal der Wolf an der Schranktür kratzt: "Papa, bleib bei mir."

 

100:1 ist deprimierend
Aus dem Seitenschiff - von Georg Plank
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
100:1 ist deprimierend
Aus dem Seitenschiff - von Georg Plank
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

Angeblich braucht man im Schnitt zehn gute Ideen, damit eine davon schlussendlich umgesetzt wird. Das wissen nicht nur Unternehmer, sondern auch viele Kirchenengagierte. Was vielen nicht bewusst ist: Von zehn umgesetzten Ideen scheitern noch einmal 90 Prozent! Obwohl bereits Arbeitszeit, Mittel und Energie eingesetzt werden, kommt es nicht zu den angestrebten Wirkungen.

Während die einen ob solcher Statistiken resigniert meinen: "100:1 ist deprimierend!", lassen sich andere nicht unterkriegen. Sie lassen sich von der Natur inspirieren. Jeder Löwenzahn verbreitet Millionen von Fallschirmchen, in jedem Bienenstock braucht es ein Vielfaches an Eiern für ausreichenden Nachwuchs, und Millionen von Spermien kämpfen um den einen Platz im Ei.

Im allerersten Gleichnis Jesu geht es um einen ähnlich verschwenderischen Sämann (Markus 4,1-9). In den Augen damaliger Landarbeiter war dieser Sämann verrückt. Kein vernünftiger Mensch würde bei einem damals realistischen Ernteertrag von 4-6 Körnern pro Ähre mit dem kostbaren Samen so verschwenderisch umgehen und ihn einfach überallhin werfen! Und um das Fass voll zu machen, verheißt dieser crazy Jesus auch noch 30-, 60-, ja 100fache Frucht!

Innovative Teams sind genauso verrückt. Sie schmeißen mit Ideen verschwenderisch um sich, es macht ihnen nichts aus, wenn aus den meisten nichts wird, der oder die einzelne ist nicht beleidigt, wenn seine oder ihre Idee es nicht schafft. Hauptsache, es gibt Frucht: konkrete Lösungen, Wachstum und Leben. Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

Themen & Schwerpunkte

Immer wieder urlaubsreif

Ein Familieneinblick von Sandra Lobnig

Erholung erwarten wir uns vom Familienurlaub nicht. Dafür ein bisschen Abenteuer, Stärkung für den Alltag und viel Zeit für uns. Ein Familieneinblick von Sandra Lobnig

 

 

Immer wieder urlaubsreifUnser allererster Familienurlaub führte uns nach Berlin. Unser Sohn war neun Monate alt und ein angenehmer Mitreisender. Den kurzen Flug hat er verschlafen. In Berlin angekommen, verfolgte er neugierig aus dem Kinderwagen, was rund herum passierte. Die Tauben fand er spannender als das Brandenburger Tor; der ehemalige Verlauf der Berliner Mauer interessierte ihn nicht, dafür liebte er das Busfahren. Wurde er hin und wieder doch quengelig, konnten wir ihn leicht in der Babytrage beruhigen und er schlummerte ein. Reisen mit Kind kann so herrlich entspannt sein – dachten wir damals ...

Und heute, fünf Jahre später, mit mittlerweile drei Kindern zwischen eineinhalb und fast sechs Jahren? Die Worte Erholung und Entspannung kommen mir sicher nicht als Erstes in den Sinn, wenn ich an Familienurlaub denke. Von unserem Winterurlaub in Südtirol im Jänner sind wir Eltern sogar ziemlich urlaubsreif wieder zu Hause angekommen. Ein erster Kraftakt war das Packen: Unser Familienvan war bis obenhin vollgestopft mit Winterjacken, Skiausrüstung, Duplo-Steinen und Reisegitterbett. Der Älteste lernte mit großem Eifer Skifahren, die Mittlere wollte nach einer halben Stunde auf der Piste unbedingt wieder zurück ins Quartier und unser Jüngster wurde mitten in der Woche krank.

Ich durfte also eine Dreijährige bei Laune halten und ein krankes, sehr anhängliches Kind den ganzen Tag herumtragen, während mein Mann unserem Sohn Bogerlfahren auf der Babypiste beibrachte. Schön war’s trotzdem. Weil wir mit lieben Freunden unterwegs waren, das Wetter traumhaft und die Bergkulisse herrlich war. Und weil das Skifahren auch nach fünfzehn Jahren Pause tadellos geklappt hat.

 

Eis am See Genezareth

Die Zeiten, in denen wir mit Rucksack durch die Anden wanderten, sind also vorübergehend vorbei. Dass man als Familie den Urlaub jahrzehntelang nur noch am Adriastrand oder auf dem Bauernhof verbringt, wollten wir aber auch nicht ohne Weiteres hinnehmen – auch wenn wir die Urlaube am Meer und am Bauernhof bis jetzt sehr genossen haben. Als uns das Fernweh einmal besonders packte und der Winter in Österreich nicht enden wollte, buchten wir kurzerhand Flüge nach Israel. Mein Mann und ich waren schon mehrere Male dort, mit den Kindern würde es sicher noch einmal ein ganz besonderes Erlebnis werden. Und das war es dann auch.Immer wieder urlaubsreif

Wie selbstverständlich spazierten die Kinder durch den arabischen Markt, vorbei an Händlern, die lautstark Falafel, Gewürze und bunte Schals anpriesen. Mit Hummus, Weißbrot und Melone picknickten wir im Park zwischen kinderreichen jüdischen Familien, aßen das erste Eis der Saison am See Genezareth und warteten mehr oder weniger geduldig beim Checkpoint in Bethlehem, um in die Geburtsstadt Jesu zu kommen. Wir erzählten den Kindern die Geschichten, die sie aus ihrer Kinderbibel kennen, und konnten sagen: „Das war hier.“ Dabei stellten wir uns auf das Tempo der Kinder ein, machten lange Spielplatz- und Essenspausen. Regelmäßig fragen die Kinder seither, wann wir denn endlich wieder nach Israel fahren.

 

 

 

Pöllau: Stärkung für Familien

Ein Fixpunkt im Sommer ist für uns das Jungfamilientreffen in Pöllau. Ein riesiger Schlosspark, Kinderprogramm, geistliche Inputs für die Erwachsenen, familienfreundliche Gebetszeiten und viele, viele sympathische Familien aus ganz Österreich machen diese fünf Tage für uns zu einer wahrhaften Tankstelle: Einerseits tut es gut, zu sehen, dass man nicht die einzige Familie ist, die mit vielen Herausforderungen im Alltag zu kämpfen hat. Andererseits inspirieren uns die anderen Familien, mitten durch Alltagschaos und Turbulenzen unseren Weg mit Gott zu gehen. Ich gestehe: Erholung – zumindest physisch – bietet das Jungfamilientreffen auch nicht viel. Damit wir uns wirklich erholen, müssen mein Mann und ich ohne Kinder wegfahren. So ein Wochenende planen wir nach Möglichkeit jedes Jahr ein. Davon profitieren wir – und letztlich auch unsere Kinder. Denn geht’s den Eltern gut, geht’s auch den Kindern gut.

 

 

Sandra Lobnig

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Juli/August 2017

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