Freitag 20. April 2018
Wofür lebst du?
Sigrid Füreder
Für das, was ich liebe und was mir Sinn gibt. In meinem Leben sind das meine Familie, meine Kinder, meine Freunde,...
Wofür lebst du?
Sigrid Füreder

Für das, was ich liebe und was mir Sinn gibt. In meinem Leben sind das meine Familie, meine Kinder, meine Freunde, mein Beruf als Religionslehrerin, mein Engagement für die Kirche, meine Arbeit mit Asylwerbern, mein Glaube an Gott, und natürlich auch all die kleinen Freuden des Alltags, wie z.B. eine Tasse Kaffee. Sigrid Füreder, Religionslehrerin Altenberg

Für das, was ich liebe und was mir Sinn gibt. In meinem Leben sind das meine Familie, meine Kinder, meine Freunde, mein Beruf als Religionslehrerin, mein Engagement für die Kirche, meine Arbeit mit Asylwerbern, mein Glaube an Gott, und natürlich auch all die kleinen Freuden des Alltags, wie z.B. eine Tasse Kaffee.


Sigrid Füreder, Religionslehrerin Altenberg

Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

Mag. Elisabeth Mayr

Ihre Ansprechpartnerin:

Mag. Elisabeth Mayr

Stephansplatz 6

1010 Wien

Tel.: +43 1 512 51 07 - 14

 

» Mail   |   Redaktion & Impressum

 


Ohne Netz und doppelten Boden
Leitartikel März/April Ausgabe
von Chefredakteur Henning Klingen
Ohne Netz und doppelten Boden
Leitartikel März/April Ausgabe

von Chefredakteur Henning Klingen

Die Familie. Die Liebe. Die Freude. Die kleinen Momente der Muße und des Glücks. Den erfüllenden Job. Die Menschen, die sich auf mich verlassen: Vermutlich gibt es so viele Antworten auf die Frage „Wofür lebst Du?“, wie es Menschen auf der Welt gibt. Und doch werden sich viele dieser Antworten da und dort ähneln: Familie und Liebe wären vermutlich weit vorn …

 

Tatsächlich interessant machen diese Antworten jedoch nicht in erster Linie jene Aspekte des persönlichen Glücks, der Befriedigung eigener Bedürfnisse. Solches Glück droht rasch zu welken und nicht durch die dunklen Momente tiefer innerer Leere hindurchzutragen. Interessant ist vielmehr jener vorsichtig ertastete Lebenssinn, der sich ganz dem anderen verdankt. Der nicht aus mir selbst herauskommt, sondern den ich mir schenken lassen muss. Von meinen Kindern, die mich brauchen, von Hilfsbedürftigen, die mein Helfen mit dem wohligen Gefühl bedanken, Sinnvolles zu tun. Die höchst persönliche Frage nach dem Lebenssinn – sie ist gar nicht so persönlich. Sie ist interpersonal, weist ein in Gemeinschaft. Ohne den anderen kein Sinn, kein Zweck, kein Ziel.

 

Und es zeigt sich darin zugleich: Sinn ist nichts, was man einmal „hat“, was man besitzt. Sinn erweist sich im Handeln, im Tun. Nur wenn ich mich dem anderen aussetze, mich in seine Hand lege, zu seinem Werkzeug machen lasse, kann ich mir Sinn schenken lassen. Entsprechend stimmen mich auch jene Antworten skeptisch, die vollmundig und mit der Inbrunst religiöser Überzeugung vom Lebenssinn wie einem Besitz reden. Glaube nur gut genug – und die Sinnfrage erledigt sich von selbst. Ist das wirklich so? Sind religiöse Menschen vor der Gottesverdunkelung gefeit? Ich zweifle.

 

Tatsächlich zehrt das Christentum von der Zusage, dass Gott derjenige sei, der mich gerade dann trägt, wenn ich ihn am schmerzlichsten vermisse. Denn Gott ist biblisch gesehen ein Zeitwort: So antwortet Gott im Buch Exodus auf die Frage des Mose, wie er denn heiße, mit der geheimnisvollen Formel „Ich bin der ‚Ich bin da‘“. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger. Es gibt keine fix fertigen Antworten. Es bleibt uns nichts erspart. Wir bleiben bei unserer Suche nach Sinn voll und ganz auf den Nächsten verwiesen. Auch und vielleicht gerade als religiös musikalische Menschen.

 

Und so wollen auch wir im „miteinander“ diese Frage weiterhin stellen und Sie zu Wort kommen lassen. Die Antworten finden Sie verstreut in den nächsten Ausgaben unter der Frage „Wofür lebst Du?“ Mögen Sie die Antworten inspirieren und motivieren, sich dieser im Alltag so oft verdrängten Frage bewusst zu stellen!

Die Drei Affen und der Ich-Mensch
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Ingeborg Schödl
Die Drei Affen und der Ich-Mensch
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Ingeborg Schödl

 

Die meisten Menschen werden sie sicher kennen. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, aus Keramik, Holz, sogar auch aus Plastik. Eine Zeitlang waren sie fast verschwunden, aber dafür tauchen sie jetzt wieder verstärkt auf: Ich meine die drei Affen, die als Symbol für „nichts sehen, nichts hören und nichts reden“ gelten. Ihre Haltung wird meist als Meinungslosigkeit, Desinteresse, auch mangelnde Zivilcourage interpretiert.

 

Wenn ich von meinem Seitenschiff aus die Umwelt betrachte, so scheint für viele Menschen das Verhalten der drei Affen wieder ein Vorbild zu sein. Fixiert auf das vielfältige Angebot der sozialen Medien pflegen sie mit ihrer unmittelbaren Umwelt kaum Kontakt. Man ist zwar nach allen Richtungen hin vernetzt, aber blind für die Situation des Mitmenschen nebenan. Viele rühmen sich, Hunderte Facebook-Freunde zu haben, sind aber trotzdem beziehungslos. Das Nahverhältnis zu einem Menschen erfordert nämlich mehr, als nur mit ihm zu twittern.

 

Die „Drei-Affen-Haltung“ ist eine Lebenseinstellung für Ich-Menschen. Wenn ich mich abschotte, nichts sehen, hören und reden will, dann trage ich auch nicht die Verantwortung für gesellschaftliche und politische (Fehl-)Entwicklungen mit. Die Auswirkungen solchen Verhaltens haben wir im 20. Jahrhundert schon einmal erlebt. Wenn mehr Menschen hingeschaut hätten, die politischen Machttöne gehört und den Mund aufgemacht hätten, wäre einiges zu verhindern gewesen. Und heute? Das „Drei-Affen-Prinzip“ hat wieder Hochsaison. Ist halt doch bequemer.

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe März/April 2018

Jetzt kostenloses Probeabo bestellen!

Wir haben zu danken!

"Raus aus der kirchlichen Komfortzone"

Wie steht es heute, 100 Jahre nach Gründung des Canisiuswerkes, um dessen Auftrag und Aktualität? Inwiefern hat sich das Ziel, Berufungen zu wecken und zu fördern, verändert? – Ein „miteinander“-Interview mit Bischof Wilhelm Krautwaschl

 

• Herr Bischof, vor 100 Jahren – im Jänner 1918 – wurde das „Canisius-Werk zur Heranbildung katholischer Priester“ gegründet. Mit welchen Gefühlen blicken Sie als für Berufungspastoral zuständiger Referatsbischof auf dieses Jubiläum?

Zunächst empfinde ich natürliche eine große Dankbarkeit für das, was in diesen 100 Jahren geleistet wurde – von den Spendern ebenso wie von den engagierten Frauen und Männern, die sich um die Förderung geistlicher Berufe und Berufungen bemüht haben. Aber ich spüre auch die brennenden Sorgen vieler Gläubigen, wie es wohl an der „Basis“ weitergeht angesichts des weiter anhaltenden Priestermangels.

 

• Der Gründungsauftrag des Canisiuswerkes ist also nach wie vor aktuell?

Ich würde sogar sagen, er ist heute aktueller denn je. Wir brauchen Menschen – Priester wie engagierte Laien –, die vorangehen in Kirche und Gesellschaft; die Verantwortung übernehmen und ein großes Gespür für die Zeichen der Zeit mitbringen. Insofern ist die Aufgabe des Canisiuswerkes heute aber wohl auch komplexer als vor 100 Jahren – ganz einfach, weil die Welt komplexer geworden ist.

 

• Die Förderung von Priestern und Ordensleuten ist das Eine, die Förderung eines breiten kirchlichen Bewusstseins über die Rolle engagierter Laien das andere…

Ja, aber wir müssen heute meines Erachtens noch eine Etage tiefer ansetzen: Wir müssen uns erneut der ganz basalen Frage stellen, wozu Kirche eigentlich da ist. Können wir darauf noch beherzt und authentisch Antwort geben? Oder ist uns die Sinnhaftigkeit unseres Tuns nicht hier und da vielleicht abhandengekommen?

 

• Das hört sich ja schon fast nach einer Berufungspastoral-Agenda für die nächsten 100 Jahre an…

Ich bin überzeugt, dass wir uns neu diesen fundamentalen Fragen stellen müssen, bevor wir von konkreten Berufungen sprechen. Papst Franziskus macht es ja vor – wir müssen rauskommen aus unserer kirchlichen Binnenperspektive, unserer Komfortzone, und neu unsere Ziele in der Welt bestimmen. Wie begegnen wir etwa Menschen, die ganz ohne Transzendenzbezug leben, denen Gott nicht einmal mehr eine Frage wert ist? Ich habe keine endgültigen Antworten auf diese Fragen, aber ich bin mir sicher, ohne ein gehöriges Maß an Zutun von engagierten Laien wird’s nicht gehen.

 

• Viele Menschen identifizieren Kirche dennoch weiterhin mit Priestern und Ordensleuten – wenn es diese nicht mehr in ausreichendem Maße gibt, haben wir früher oder später ein Problem… Im vergangenen Jahr gab es in Österreich gerade einmal knapp über 20 Priesterweihen, in den letzten 10 Jahren sank die Zahl der Priester um 15 Prozent.

Ich kenne diese Zahlenspiele – aber sie sind ja immer nur die eine Seite der Medaille. Denn es schrumpft schließlich auch die Zahl aktiver Katholiken beständig. Und wir leisten uns zugleich ein starkes Pfarrsystem. In meiner Diözese, in der Steiermark, gab es in der Zeit zwischen 1950 und 2000 die meisten Pfarrbildungen. Nicht etwa im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit, nein, vor wenigen Jahren! Das müssen wir uns manchmal klarmachen, dass wir bei allen Katastrophenszenarien noch immer von einem hohen Maß an seelsorglicher Versorgung und auch Dichte sprechen.

 

• Aber nochmal konkreter gefragt: Müsste das Thema Berufungspastoral nicht ganz oben auf die Agenda der Bischofskonferenz?

Das Thema ist auf der Agenda – aber Sie haben Recht, es müsste wohl in seiner ganzen Komplexität noch höher gewichtet werden. Ich plädiere auch im Dialog mit den anderen Bischöfen stets dafür, den Blick allein auf die Rolle und Funktion des Priesters in der Kirche aufzubrechen. Da können wir meines Erachtens viel von anderen Ländern lernen, wo es wirkliche pastorale Not gibt – in Vietnam oder vielen Ländern Afrikas, die ich zuletzt besuchen durfte. Diese pastorale Not macht erfinderisch und lässt zu, ganz anders über die Rolle des Priesters und der Laien nachzudenken.

 

• Können Sie das etwas konkreter machen?

Nehmen Sie das Thema der Berufungspastoral. Das gibt es dort gar nicht. Allein der Begriff ist ja fast schon eine Krisenanzeige – denn sobald es eine selbstverständliche gläubige Praxis gibt, gibt es auch wieder Berufungen. Daher mein Appell, nicht bei den Ämtern anzusetzen, sondern bei einer Sanierung der täglichen Glaubenspraxis. Manchmal habe ich den Eindruck, wir haben vor lauter Theologie und vor lauter Strukturfragen diese Praxis aus dem Auge verloren. Wir denken zu sehr in unserem System Kirche. Zu wenig „von unten“. Die zentrale Aussage des „Mariazeller Manifests“ von 1952 – „eine freie Kirche in einem freien Staat“ – haben wir vielleicht noch nicht wirklich verinnerlicht.

 

• Aber allein mit einem in diesem Sinne charismatischen Ansatz würden Sie wohl auch die Komplexität dessen unterlaufen, was Kirche heute ist – nämlich ein sehr großer Arbeitgeber, ein sozialer Dienstleister, ohne den in viele Bereichen nichts geht.

Natürlich, aber diese Dienste sind ja kein Selbstzweck! Mein Ansatz ist es, zunächst auf unser eigentliches seelsorgliches Kerngeschäft zu blicken – dieses muss stimmen und von dem aus ergeben sich dann die anderen Dienste, die wir als Kirche erbringen. Der – wie Sie es sagen – „charismatische Ansatz“ ist meine Antwort auf eine allzu eingeschliffene kirchliche Praxis. Ich möchte die eigene Kirche, unsere – auch meine! – alltägliche Praxis irritieren, aufbrechen, hinterfragen. Und darin sehe ich letztlich auch eine wichtige Aufgabe des Canisiuswerkes: Es sollte dieser Stachel im Fleisch sein, der uns spüren lässt, dass Berufungen der Kirche ein inneres Anliegen sein und bleiben muss – dann hat es einen wichtigen Dienst erbracht. 

 

 

 

 

 

Das Interview führte Henning Klingen 

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Jänner/Februar 2018

Jetzt kostenloses Probeabo bestellen!

 

CANISIUSWERK

Zentrum für geistliche Berufe

Stephansplatz 6
1010 Wien

Telefon: +43 1 512 51 07
Fax: +43 1 512 51 07 - 12
E-Mail: office@canisius.at
Darstellung:
http://www.miteinander.at/