Mittwoch 20. Juni 2018
Wofür lebst du?
Florian Wegscheider
„O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! - Dieses zur Übertreibung tendierende Paradoxon...
Wofür lebst du?
Florian Wegscheider

„O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! - Dieses zur Übertreibung tendierende Paradoxon verdeutlich, was es für mich heißt, christlich zu leben: Gott hat so großartig an uns gehandelt, dass ich nicht anders können soll, als durch meine ganze Existenz diese Botschaft zu bezeugen. Florian Wegscheider Katholische Privatuniversität Linz

Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Ja und Amen
Leitartikel Mai/Juni
von Chefredakteur Henning Klingen
Ja und Amen
Leitartikel Mai/Juni

von Chefredakteur Henning Klingen

 Der Ja-Sager

 

Ich bin ein Ja-Sager. Vor 14 Jahren habe ich zu meiner Frau Ja gesagt, bislang dreimal zu Kindern. Das war jetzt aufgelegt, gebe ich zu. Aber auch dazwischen gab es unzählig viele Ja: ein Ja zu meiner Berufsausbildung, ein Ja zu einer Dissertation, zur Übernahme der Leitung des „miteinander“. Im Rückblick wirken Biografien stets wie aus einem Guss, wie gefügt. Dabei wird gern übersehen, wie mühsam errungen viele dieser bewussten Ja waren; mit welchen Reibungsverlusten sie einhergingen.

 

Über all den kleinen und größeren Entscheidungen schwebt die Frage nach dem ersten Ja – dem Ja zum Leben. Nehme ich an, was mir da im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt wurde? Ver-danke ich mich und nehme das Leben als Geschenk an? Oder leide ich still, hadere ich mit dem Schicksal? Dieses Ja muss tatsächlich jeden Morgen neu gesprochen werden – mal wird es übertönt vom Alltagsrauschen, mal trotzig genau diesem monotonen Alltag entgegengeschleudert.

 

Wer indes laut Ja sagt – und sei es, indem er der Tristesse ein Lächeln entgegensetzt –, macht sich manchmal gar verdächtig. Verdächtig, weil er Dingen zustimmt, die der Kritik würdig sind. Verdächtig auch, weil ein fröhliches Ja nach Naivität, Unbedachtheit oder schlicht Bequemlichkeit aussieht. Denn Widerspruch kostet Kraft, die Anstrengung kritischer Durchdringung.

 

Interessanterweise ist es im Glauben inzwischen genau umgekehrt. Das Nein kommt gerade jungen Menschen scheint’s leichter über die Zunge als das bewusste Ja zum Glauben. Und leider haben sie ja dabei häufig recht – denn was mancherorts in Katechese oder Religionsunterricht dargeboten wird, macht ein reifes Ja tatsächlich schwer. Gott und Kirche werden dort nicht selten zu magischen Ereignissen oder Orten verniedlicht, die vom Priester zelebriert und gegen jede Kritik immunisiert werden.

 

Gewiss, es gibt sie – Gott sei Dank –, die Priester und Religionslehrer, die ihre „Sache“ auf der Höhe der Zeit auch theologisch argumentieren können. Aber viele werden nicht zuletzt aufgrund laufender Strukturreformprozesse derart durch administrative Tätigkeiten aufgerieben, dass ihnen kaum mehr Zeit bleibt, Ja zu sagen zu der Verantwortung, junge Menschen in das Wagnis Glauben einzuführen. Vielleicht bedenken Sie diese Zerrissenen, deren Zahl stetig wächst, einmal mit einem kleinen Stoßgebet, wenn Sie in den nächsten Wochen die eigenen Kinder oder Patenkinder auf dem Weg zu ihrem hoffentlich reifen Glaubens-Ja – der Firmung – begleiten.

 

 

 

Eh!
Pastoralinnovation
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Eh!
Pastoralinnovation
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

 

Eh!

 

Von „Ja, eh!“, „Das haben wir eh schon gemacht“ oder „Es geht eh ganz gut“ bis zu „Hast eh recht, aber …“: Das Wörtchen „eh“ ist besonders in seiner austrifizierten Anwendung kürzestmöglicher Ausdruck von Innovationsverweigerung. Immer öfter reagiere ich darauf schroff mit „Das heißt, du willst nicht besser werden?“. Denn wer sich mit dem Status quo zufrieden gibt, lehnt jegliche Veränderung und damit potenzielle Verbesserung ab. Innovationen sind ja nicht einfach etwas Neues, sondern etwas Besseres. Sonst würde niemand ein neues Handy kaufen, für den Urlaub eine andere Destination wählen oder sein Kind in eine bestimmte Musikschule schicken.

 

Die Sehnsucht, besser zu werden und Besseres zu schaffen, hat geistbewegte Menschen inner- und außerhalb der Kirche immer schon angetrieben. Der Feind des Besseren ist allerdings oft nicht das Schlechte, sondern das Gute. „Funktioniert eh ganz gut!“ führt schnell zu einer selbstbezogenen Zufriedenheit, die Kreativität erstickt und neue Initiativen bremst.

 

Biblisches Fundament für das Bessere ist das bekannte Bildwort vom Weinstock. „Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt“ (Joh 15,2b). Übrigens, von daher erschließt sich auch das sperrige Jesuswort „Wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben“ (Mt 25,29).

 

Mehr Früchte im Geiste Jesu bedeutet Besseres: mehr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung; weniger Leid, weniger Ausbeutung und Stumpfsinn. Deshalb lohnt es sich, für das Bessere zu kämpfen und zu arbeiten. Eh klar!

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Mai/Juni 2018

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Ehrensache Ehrenamt

Gute Vorsätze

Rund 3,3 Millionen Österreicherinnen und Österreicher engagieren sich ehrenamtlich - und sie leisten damit letztlich einen wertvollen Dienst an der Demokratie selbst.

 

Leitartikel von Chefredakteur Henning KlingenWissen Sie noch, was Sie am 5. Dezember getan haben? Waren Sie bei der Arbeit, haben sich um die Familie, die Kinder gekümmert. Oder haben Sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge, Obdachlose oder kranke Menschen engagiert? Dann jedenfalls war dieser 5. Dezember ein Feiertag nur für Sie – und für stolze 3,3 Millionen Menschen in Österreich. Denn es war der "Internationale Tag des Ehrenamtes". Seit 1986 dient er dazu, für das Ehrenamt zu werben. Und dies offenbar mit Erfolg, denn laut Freiwilligenbericht leisten 46 Prozent der Bevölkerung Freiwilligenarbeit. Woche für Woche im Ausmaß von 8 Millionen Stunden.

 

Ich bin an jenem 5. Dezember wie jeden Morgen ins Büro gefahren. Am Wiener Westbahnhof steige ich dazu um. Es sind noch keine eineinhalb Jahre her, da wurde genau dieser Bahnhof zu einer Drehscheibe der österreichischen Flüchtlingshilfe. Zigtausende Flüchtlinge kamen dort an, suchten nach Familienangehörigen, nach Ladestationen für ihre Handys, nach Auskunft und Hilfe. All dies bekamen sie aus den Händen von freiwilligen Helfern, viele davon Helfer der Caritas. Es wurden Wochen der Gnade, wurde in ihnen doch ein Geist der Solidarität spürbar, der sich dem schlichten Bedürfnis verdankte, anderen Menschen helfen zu wollen. Die vielbesungene Willkommenskultur – sie war und ist eine Kultur des Ehrenamtes. Wer diese jetzt diskreditiert, der diskreditiert damit auch all jene, die sich freiwillig für andere Menschen einsetzen.

 

Gewiss, man sollte das Loblied auf das freiwillige Engagement nicht blauäugig anstimmen. Denn tatsächlich wird dem Ehrenamt gerade dort hofiert, wo sich der Staat aus der Verantwortung stehlen möchte. Flüchtlingshilfe etwa sollte nicht von Ehrenamtlichen erledigt werden müssen – schließlich ist sie eine vorrangige Aufgabe humanitärer Hilfe, zu der sich die Republik international verpflichtet hat. Auf der anderen Seite braucht der Staat Motoren des Gemeinwohls und Oasen der Nächstenliebe als Korrektiv – eben Ehrenamtliche –, ohne die er zu einem seelenlosen Instrument der Polit-Pragmatiker werden würde.

 

Wenn Sie also noch nach einem Vorsatz für's neue Jahr suchen, dann werden Sie doch Teil jener großen Bewegung, die aus der freiwilligen Arbeit auch ein hohes Maß an Glück und persönlicher Zufriedenheit schöpft! Die Kirche bietet eine breite Palette an Möglichkeiten des Engagements – von der Caritas bis hin zur Pflege, von der Pfarre bis zum Ordensbereich. Denn für Christen sollte das Ehrenamt Ehrensache sein.

 

Henning Klingen

Chefredakteur

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Jänner/Februar

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