Mittwoch 23. Mai 2018
Wofür lebst du?
P. Alphonse Fahin
Ich lebe dafür, ein Werkzeug Gottes zu sein. Wie? Ich lasse mich einfach von ihm führen. P. Alphonse Fahin Steyler...
Wofür lebst du?
P. Alphonse Fahin

Ich lebe dafür, ein Werkzeug Gottes zu sein. Wie? Ich lasse mich einfach von ihm führen. P. Alphonse Fahin Steyler Missionar, Wien
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Ja und Amen
Leitartikel Mai/Juni
von Chefredakteur Henning Klingen
Ja und Amen
Leitartikel Mai/Juni

von Chefredakteur Henning Klingen

 Der Ja-Sager

 

Ich bin ein Ja-Sager. Vor 14 Jahren habe ich zu meiner Frau Ja gesagt, bislang dreimal zu Kindern. Das war jetzt aufgelegt, gebe ich zu. Aber auch dazwischen gab es unzählig viele Ja: ein Ja zu meiner Berufsausbildung, ein Ja zu einer Dissertation, zur Übernahme der Leitung des „miteinander“. Im Rückblick wirken Biografien stets wie aus einem Guss, wie gefügt. Dabei wird gern übersehen, wie mühsam errungen viele dieser bewussten Ja waren; mit welchen Reibungsverlusten sie einhergingen.

 

Über all den kleinen und größeren Entscheidungen schwebt die Frage nach dem ersten Ja – dem Ja zum Leben. Nehme ich an, was mir da im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt wurde? Ver-danke ich mich und nehme das Leben als Geschenk an? Oder leide ich still, hadere ich mit dem Schicksal? Dieses Ja muss tatsächlich jeden Morgen neu gesprochen werden – mal wird es übertönt vom Alltagsrauschen, mal trotzig genau diesem monotonen Alltag entgegengeschleudert.

 

Wer indes laut Ja sagt – und sei es, indem er der Tristesse ein Lächeln entgegensetzt –, macht sich manchmal gar verdächtig. Verdächtig, weil er Dingen zustimmt, die der Kritik würdig sind. Verdächtig auch, weil ein fröhliches Ja nach Naivität, Unbedachtheit oder schlicht Bequemlichkeit aussieht. Denn Widerspruch kostet Kraft, die Anstrengung kritischer Durchdringung.

 

Interessanterweise ist es im Glauben inzwischen genau umgekehrt. Das Nein kommt gerade jungen Menschen scheint’s leichter über die Zunge als das bewusste Ja zum Glauben. Und leider haben sie ja dabei häufig recht – denn was mancherorts in Katechese oder Religionsunterricht dargeboten wird, macht ein reifes Ja tatsächlich schwer. Gott und Kirche werden dort nicht selten zu magischen Ereignissen oder Orten verniedlicht, die vom Priester zelebriert und gegen jede Kritik immunisiert werden.

 

Gewiss, es gibt sie – Gott sei Dank –, die Priester und Religionslehrer, die ihre „Sache“ auf der Höhe der Zeit auch theologisch argumentieren können. Aber viele werden nicht zuletzt aufgrund laufender Strukturreformprozesse derart durch administrative Tätigkeiten aufgerieben, dass ihnen kaum mehr Zeit bleibt, Ja zu sagen zu der Verantwortung, junge Menschen in das Wagnis Glauben einzuführen. Vielleicht bedenken Sie diese Zerrissenen, deren Zahl stetig wächst, einmal mit einem kleinen Stoßgebet, wenn Sie in den nächsten Wochen die eigenen Kinder oder Patenkinder auf dem Weg zu ihrem hoffentlich reifen Glaubens-Ja – der Firmung – begleiten.

 

 

 

Eh!
Pastoralinnovation
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Eh!
Pastoralinnovation
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

 

Eh!

 

Von „Ja, eh!“, „Das haben wir eh schon gemacht“ oder „Es geht eh ganz gut“ bis zu „Hast eh recht, aber …“: Das Wörtchen „eh“ ist besonders in seiner austrifizierten Anwendung kürzestmöglicher Ausdruck von Innovationsverweigerung. Immer öfter reagiere ich darauf schroff mit „Das heißt, du willst nicht besser werden?“. Denn wer sich mit dem Status quo zufrieden gibt, lehnt jegliche Veränderung und damit potenzielle Verbesserung ab. Innovationen sind ja nicht einfach etwas Neues, sondern etwas Besseres. Sonst würde niemand ein neues Handy kaufen, für den Urlaub eine andere Destination wählen oder sein Kind in eine bestimmte Musikschule schicken.

 

Die Sehnsucht, besser zu werden und Besseres zu schaffen, hat geistbewegte Menschen inner- und außerhalb der Kirche immer schon angetrieben. Der Feind des Besseren ist allerdings oft nicht das Schlechte, sondern das Gute. „Funktioniert eh ganz gut!“ führt schnell zu einer selbstbezogenen Zufriedenheit, die Kreativität erstickt und neue Initiativen bremst.

 

Biblisches Fundament für das Bessere ist das bekannte Bildwort vom Weinstock. „Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt“ (Joh 15,2b). Übrigens, von daher erschließt sich auch das sperrige Jesuswort „Wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben“ (Mt 25,29).

 

Mehr Früchte im Geiste Jesu bedeutet Besseres: mehr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung; weniger Leid, weniger Ausbeutung und Stumpfsinn. Deshalb lohnt es sich, für das Bessere zu kämpfen und zu arbeiten. Eh klar!

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Mai/Juni 2018

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Wofür lebst du?

Gib mir Augen, damit ich sehe

Fantasy-Spiele und eine Biografie von Franz von Assisi waren für den aus Ostfriesland stammenden Ubbo Goudschaal Initialzündung für Aufbrüche. Heute arbeitet er als Pastoralassistent in Salzburg.

 

Nach einer Zeit im Bruch mit der Kirche lebend, führen seine Gottessehnsucht und viele offene Fragen zu einem Studium der katholischen Theologie. Dabei wächst der heute 39-jährige Ubbo Goudschaal in einer engagierten evangelischen Familie auf: Die Eltern sind in der Gemeinde aktiv, der Vater wirkt jahrzehntelang als Chorleiter. Der älteste Bruder lebt heute als Pastor in Norddeutschland. Nach seiner Konfirmation wechselt Goudschaal in die Nachbargemeinde – wegen der Gemeinschaft. Doch es kommt zum Bruch.

 

Mit 17 Jahren bricht wieder etwas „in leichten Spuren“ auf: Bei seinem Hobby als ambitionierter Tischrollenspieler von Fantasy-Spielen – Mitwirkende nehmen am Tisch fiktive Rollen ein und erleben gemeinsam durch Erzählen ein Abenteuer – spielen starke Mythologien eine Rolle. Auf Ähnliches trifft er in der Kirche. Zum Gottesdienst mitgeschleppt, hört er ein Lied von Paul Gerhardt. Die Verse klingen mythologisch, handeln von Drachen und Schlangen. Sein Forscherdrang ist geweckt. Er nimmt die Bibel zur Hand, liest hinein.

 

Franziskus – einfach ein „Kracher“

Nach dem Mittelschulabschluss absolviert Goudschaal eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. Seinen Zivildienst leistet er bei einem mobilen Hilfsdienst auf einer ostfriesischen Insel: mit viel Zeit zum Alleinsein, für Natur, den Kontakt zur evangelischen Kirche, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Doch seine Suche geht hier ins Leere. Er stößt auf eine Franziskusbiografie, verschlingt sie. „Die Mystik, das Einfache – faszinierend! Die Person war ein ‚Kracher‘ für mich: Wie er sich abgenabelt hat, seinen eigenen Weg gegangen ist, mit so wenig so viel in Bewegung gebracht hat.“ Ein Kontrast zu seinem materialistisch orientierten Elternhaus, dem er durch Hinwendung zu Jugendkulturen entflieht.

 

Nach dem Zivildienst zeigt ihm ein Ordensmann eine Möglichkeit auf, das Abitur nachzuholen: an einem Abendgymnasium mit angeschlossenem katholischen Spätberufenen-Internat. „In drei intensiven Jahren habe ich mein gesamtes traditionelles Handwerk mitbekommen: Gebetsstunden, Messen, enormes Wissen kirchlicher Traditionen und Spiritualität.“ Angestoßen durch die Franziskusbiografie, konvertiert er zum Katholizismus. Ein bitterer Tiefschlag für seine Eltern.

 

Mit dem Abitur öffnen sich Türen: ein Theologie- oder Physikstudium? Seine Wahl fällt auf Ersteres. „Fragen waren noch offen. Und ich dachte, Physik wird mein Leben nie so durchdringen.“ Während des Studiums in Münster kommt Goudschaal mit einem Kapuzinerpater ins Gespräch. Das franziskanische Ordensprofil spricht ihn an, er tritt in den Orden ein. Über den Ausbildungsweg der Kapuziner kommt er nach dem Postolat in der Schweiz als Novize nach Salzburg. Gegen Ende des Noviziats verlässt er aber den Orden: „Der Gehorsam gegenüber den Oberen hat von meiner Seite aus nicht funktioniert.“

 

„Wer hat sich von wem entfernt?“

In Salzburg setzt Goudschaal sein Theologiestudium fort, arbeitet in der Arbeitslosenseelsorge. Mit dem Studienabschluss beginnt er als Pastoralassistent in der Salzburger Pfarre St. Severin, später zusätzlich in einem Seniorenheim. Die Gemeindepastoral fordert ihn: Gottesdienste zu feiern, eine Vision für die Pfarre mitzuentwickeln, zu überlegen, was die Menschen von ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten her brauchen und wie man eine Verbindung zwischen Gott und den Menschen fördern kann. „Ich denke, fühle und gehe mit dieser Gemeinde.“

 

Dieses Ziel verfolgt er bei der Kinder- und Jugendarbeit in der Pfarre wie auch im Seniorenheim – mit unterschiedlicher Herangehensweise. Bei den Jugendlichen muss man zuhören, beobachten, worum es ihnen geht, braucht Verständnis für die Jugendkultur. „Wie bringt man junge Menschen dazu, dass sie tiefer schürfen, um die Oberfläche dessen zu durchbrechen, was sie in Familien und Freundschaften sehen?“ Hier hinterfragt sich Goudschaal selbst, ob er den richtigen Rahmen zur Verfügung stellt. Denn als Grundproblem in vielen Pfarren sieht er, „dass man macht, was man schon immer macht“ und sich dabei fragt, wo denn die Jugend bleibe. „Wer hat sich da von wem entfernt? Und wie kann sich die Tradition in einer Art und Weise mit der Jugendkultur verbinden, dass sie trotzdem nicht verflacht?“ Dieses Problem versucht er anzugehen.

 

Im Seniorenheim ist Biografiearbeit gefragt. Es gibt viel aufzuarbeiten und zu verarbeiten: Zurückweisung durch die Familie, Misshandlung, Verstrickungen, die nie gelöst worden sind. Hier ist es wichtig, Aussöhnung anstoßen: mit sich selbst, Gott und der Welt. In der Sterbebegleitung will er „Hoffnung geben, wo noch nicht viel da ist“.

 

Lebensader

Obwohl er für die Gemeindepastoral brennt, kann sich Goudschaal abgrenzen. Seine Freizeit widmet er der Familie, Freunden, Arbeitskollegen mit ähnlichem theologischen Background, er beschäftigt sich mit Film, Musik und er „wuzzelt“ gern. Lebensader ist für ihn aber die Gotteserfahrung. Und die kommt nur durch die Zwiesprache mit Gott, das Gebet, das auch mitten in den Alltag einbricht. „Das ist ja die Krux: Transzendenz – nicht fassbar, jenseits von uns – greift ein in unser Leben. Was nicht erfahrbar ist, macht sich erfahrbar: Gott, der Angelpunkt von allem, was ist.“ Und seine Perspektive von Berufung formuliert er daher so: „Gib mir Augen, damit ich sehe, wo du mir vorausgehst, damit ich dir nachfolgen kann.“

 

Maria Fibich

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe März/April 2018

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